K Plus Interviews

Die K+ BAR hat keinen festen Ort, vielmehr schafft sie sich Orte und ist Raum der Begegnung. Ein loses Format, geplant und spontan, mit kurzer Dauer und hoher Intensität. Ende November 2018 fand im Rahmen der K+ BAR zum ersten Mal Drink & Cigarette mit Studierenden und Alumni statt. Die Dauer des Gesprächs bestimmt das bestellte Getränk.

 

Sebastian Haas trinkt einen Cinnamon Whiskey Sour, Marco Russo bestellt einen Old Fashioned. Das Gespräch führten Sophie Germanier, Marlène Pichler und Dustin Kennel.

Sebastian Haas "Kunst macht man ja auch für sich und das ist ein Riesenprivileg"

Ich mache vor allem Hinterglasmalerei, mit der ich in letzter Zeit auch recht erfolgreich war. Bei der Werkschau 2018 in Luzern habe ich den Förderpreis der BEWE-Stiftung gewonnen, weshalb ich an der Messe Kunst 18 Zürich ausstellen konnte. Ausserdem konnte ich auch in der selben Woche an der Jungkunst in Winterthur ausstellen. Bei beiden Ausstellungen habe ich Hinterglasmalereien gezeigt. Das ist eine sehr alte Technik, kommt eigentlich aus der Kirchentradition. Meine Werke haben eine Referenz an die Fotografie, eher dezent und hauptsächlich in Graustufen gehalten. Das Schöne am Glas ist, dass alles auf derselben Ebene erscheint. Das Ganze ist für mich noch eher eine junge Geschichte, mit Glas lässt sich viel machen, da ist auch noch viel geplant. Ich will stärkere Referenzen zum Raum schaffen, aber momentan geht es ums Bild, ganz klassisch. Und dafür lasse ich mir jetzt noch Zeit. Ich mache den Master in Art Teaching hier an der HSLU in Luzern. Grundsätzlich finde ich es schon auch gut, wenn man für den Master weggeht und Erfahrungen an einem anderen Ort sammelt. Es hat sich hier aber schon im Bachelor-Studium eine Gruppe gebildet, die konstant und viel gearbeitet hat, auch zu ähnlichen Themen. Dort schätze ich den Austausch sehr. Ausserdem muss ich mich hier nicht mit neuen Werkstätten auseinandersetzen, ich kenne die Leute und ihre Kompetenzen, das ist hilfreich. Da ich von der Kunst leben möchte, sind idealistische und alternative Gedanken schwierig. Kunst macht man ja auch für sich und das ist ein Riesenprivileg. Und wenn sich Chancen ergeben, sollte man diese auch wahrnehmen. Kunst ist schlussendlich ein Business und es braucht viel Geduld und Energie, dabei zu bleiben. Trotzdem muss man auch seine Nische finden, eine Lücke. Dafür ist die Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte sehr wichtig. Man muss die Mechanismen durchblicken und diese nutzen.

Marco Russo "Vergesst, dass ihr mit der Kunst die Welt retten könnt, aber ihr könnt Fragen stellen"

In meiner künstlerischen Arbeit fahre ich zwei Schienen. Einerseits beschäftige ich mich mit Skulptur und Malerei, andererseits mit Installationen. Gerade steht bei mir die Vernissage der Ausstellung „Jeder ein Künstler – Jeder ein Museum“ im Tatort Luzern an. Dort inszeniere ich einen Shop in dem ich widerspiegle, was ich im Alltag wahrnehme. In der Malerei beschäftige ich mich momentan mit Ferdinand Hodler. Er hat eine spannende Geschichte, bei welcher ich eine grosse Aktualität in Hinsicht auf gesellschaftliche Themen verspüre. Wenn man Kunst macht, gibt es verschiedene Haltungen. Es ist nicht mein zentrales Anliegen, direkt Kunst zu machen, welche sich verkauft. Mein Ziel ist eine Ausstellung in einer grossen Institution, im Kunstmuseum Zürich, darauf arbeite ich hin. Ich finde, die Frage nach dem Medium wird auch durch den Markt beantwortet. Da muss man sich seiner Ziele bewusst sein, und bei den Käufern sollte man auch nicht wählerisch sein. Ich gebe meiner Kunst noch Zeit sich zu entwickeln um dann in ein paar Jahren Erfolg mit ihr zu haben. Dies geht mit dem Kompromiss einher, nebenbei Lohnarbeit zu leisten. Ich habe und hatte viele Jobs bei welchen ich durch Kundenkontakt auch viel über unsere Gesellschaft gelernt habe, aber ich bin zu antiautoritär, deshalb mache ich Kunst. Was ich bis jetzt erreicht habe, verdanke ich meinem harten Arbeiten. Eine Bedingung des Kunstmachens ist ja das Machen, das kommt nicht einfach so. Weil man mich jeden Tag in den Werkstätten der Sentimatt arbeiten sieht, habe ich wichtige Kontakte. Auf diese Leute kann ich jetzt auch zurückgreifen, wenn ich etwas brauche. Wenn man wirklich von der Kunst Leben will, muss man Kompromisse eingehen, da darf man nicht zu moralisch sein. Vergesst, dass ihr mit der Kunst die Welt retten könnt, aber ihr könnt Fragen stellen. Als Kunststudenten hängen wir ja auch am Arsch vom bösen System. Aber man kann das System ja auch ausnützen. Man hängt so an dem Arsch aber findet dann hey fick dich doch! Das geht nur in der Kunst.

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